Dienstag, 21.07.2026 06:34 Uhr

Cold Case Waltraud Ess - ungeklärt seit über 30 Jahren

Verantwortlicher Autor: Jochen Behr Bad Neustadt , 29.06.2025, 15:35 Uhr
Presse-Ressort von: Jochen Behr Bericht 6765x gelesen

Bad Neustadt [ENA] Im Jahre 1993 erschütterte ein fürchterlicher Todesfall nicht nur die Bewohner von Bad Neustadt, sondern auch überregional mit großer Bestürzung: Die Geschäftsfrau aus Bad Neustadt Waltraud Ess wurde tot aufgefunden, aufgehängt an der Türklinke mit Elektrokabel und mit Tape am ganzen Körper gefesselt auch über Mund und Nase,so dass diese qualvoll darin sterben musste. Dieser Fall wurde bis heute nicht aufgeklärt!

Waltraud Ess war eine sehr bekannte Geschäftsfrau aus Bad Neustadt an der Saale. Sie war nämlich die Geschäftsführerin des Autohauses Kuhn. Viele kannten Frau Ess von ihrer dortigen Tätigkeit und kannten sie als eine lebensbejahende freundliche Dame. Unter anderem verkehrte sie regelmäßig in der Weinstube Dörr in der Innenstadt und war in der Bevölkerung eine beliebte Frau. Umso schrecklicher und dramatischer war dann das Ereignis am 8. September 1993.

Frau Ess besaß nicht nur in der westlichen Außenstadt ein Anwesen, sondern baute auch in der Innenstadt ein Haus am Zwinger. Täter (ein oder mehrere) sollen Frau Ess damals überfallen und gefesselt haben am ganzen Körper auch über den Mund und Nase und daher zum Ersticken gebracht haben und mit Elektrokabel an der Türklinke aufgehängt haben. Bargeld wurde lediglich im Wert von 3500 DM entwendet, sonstige Wertgegenstände sollen angeblich nicht mitgenommen worden sein.

Die Kriminalpolizei in Schweinfurt übernahm damals sofort die Ermittlungen mit einer 24-köpfigen Ermittlungkommission und werteten alle damals vorhandenen Spuren und Hinweise aus, leider ohne Ergebnis. Mittlerweile sind über 30 Jahre vergangen und der oder die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Zwei unterschiedliche Motive wurden damals in den Raum gestellt:

Zum einen gab es damals das Motiv einer möglichen Beziehungstat, ein abgewiesener Verehrer von Frau Waltraud Ess könnte hier so eine schreckliche Tat als Rache begangen haben. Beweise oder konkrete Spuren und anderes gab es zu dieser Theorie jedoch dazu nicht. Könnte wirklich ein abgewiesener Verehrer so eine bestialische Tat begehen? Eine weitere für mich plausiblere Möglichkeit gab es damals auch allerdings auch hier ohne weitere konkreten Hinweise und Spuren:

Es geht um den Komplex der organisierten Kriminalität. Viele Geschäftsleute müssen unter anderem Schutzgeld bezahlen, damit ihr Business und auch ihre Person nicht Schaden erleiden. Dazu gibt es inländische Gruppierungen, aber auch Gruppierungen aus dem Ausland, die in Deutschland aktiv sind und Schutzgeld erpressen. Musste Frau Waltraud Ess als Geschäftsführerin des Autohauses Kuhn damals auch Schutzgeld bezahlen? Darüber wird in der Geschäftswelt nicht gesprochen! Nachfragen bei anderen Geschäftsleuten in Bad Neustadt führen zu keinem Ergebnis. Der Mantel des Schweigens wird über dieses Thema gehüllt. Anscheinend haben Geschäftsleute Angst darüber in der Öffentlichkeit oder mit der Presse zu reden. Wurde an Frau Ess ein Exempel statuiert?

Ob Frau Ess damals sich weigerte Schutzgeld zu bezahlen oder ob das alles nur eine wilde Spekulation ist, bleibt bis heute ein großes Rätsel. Normalerweise kommen solche spektakulären Fälle irgendwann auch mal in das Fernsehen, hier ist ja die Sendung Aktenzeichen XY am Bekanntesten. Aber dieser Fall wurde dort nie thematisch im Fernsehen behandelt. Hintergrund war, dass für eine Berichterstattung im Fernsehen, wo die Öffentlichkeit dazu aufgerufen wird, Hinweise zu geben, wenigstens ein Mindestmaß an Spuren und Beweismittel vorhanden sein muss. andernfalls bringt so ein Fall rein gar nichts an möglichem Ermittlungerfolg.

Dann im Jahre 2022 auf einmal wird von der Kriminalpolizei in Schweinfurt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft in Schweinfurt der Cold Case Fall Waltraud Ess wieder aufgenommen. Zum einen muss man wissen, dass solche Fälle nie ganz geschlossen werden, solche Fälle verjähren auch nie und somit kann jederzeit bei neuen Erkenntnissen ein Fall wieder aufgemacht werden, so auch in diesem Fall. Es soll also nach fast 30 Jahren neue Erkenntnisse gegeben haben.

Die Sonderkommission „Ess“ wurde gegründet. Man sei den Tätern dank neuer Hinweise auf der Spur hieß es in einer Pressemitteilung. Durch neue moderne Möglichkeiten in der Spurenauswertung habe man Erkenntnisse erlangt, die zu Tätern in diversen Bundesländern führen sollten. Hierbei wurden die Bundesländer, Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen genannt, da hier also ganz konkret von Tätern gesprochen wurde und das auch noch in mehreren Bundesländern stellt sich für mich dann schon mal konkret die Frage, ob hier wirklich noch von einer Beziehungstat möglicherweise ausgegangen wird. Vielmehr stellt sich für mich die Frage, ob die Theorie nach einer organisierten Kriminalität hier nun konkret ist.

Es wurde ja damals vor über 30 Jahren mittlerweile Klebeband gefunden, mit der Frau Waltraud Ess gefesselt wurde. Dieses Klebeband ist immer noch in der Asservatenkammer der Kriminalpolizei in Schweinfurt und wird aufgehoben, zudem gäbe es auch weitere Spuren, die noch ausgewertet werden können, Konkrete Hinweise dazu wurden aber nicht bisher der Öffentlichkeit preisgegeben. Der damalige Ermittler, der 1. Kriminalhauptkommissar Herr Herbert Then äußerte sich damals mit den Worten: „wir geben nie auf“. Drei Jahre später leider haben anscheinend diese Spuren und neuen Erkenntnisse zu keinem Erfolg geführt.

Erst vor wenigen Tagen sprach ich nochmals mit der zuständigen Pressestelle der Polizei in Würzburg, und diese holten sich nochmals aktuelle Informationen ein bei der zuständigen Kriminalpolizei. Leider gibt es weiterhin keinen konkreten Hinweis auf einen oder mehrere Täter der Waltraud Ess. Es wurde zwar bestätigt, dass damals der Fall nochmals unter die Lupe genommen wurde, was in jedem solcher Fälle in unregelmäßigen Abständen getan wird, um nachzuschauen, ob mit den derzeitigen Methoden es neue Ermittlungsansätze gibt, soweit mir mitgeteilt wurde scheinen die Spuren in den besagten Bundesländern zu möglichen Tätern ins Leere verlaufen zu sein.

Schauen wir noch einmal zurück auf das Jahr 1993. Frau Waltraud Ess zuvor in einem Urlaub in Griechenland gewesen. Direkt aus dem Urlaub zurückgekehrt, traf sie sich mal wieder in ihrem Stammlokal in der damaligen Weinstube Dörr in der Innenstadt in Bad Neustadt an der Saale. Die Wirtin Frau Marianne Weid kann sich noch sehr gut an diesem Abend erinnern: Frau Waltraud Ess war sehr lustig gewesen und hatte auch einiges getrunken und schien sichtbar angetrunken auf den Nachhauseweg sich gemacht zu haben.

Das gesellige Treiben in der Weinstube Dörr damals ging länger als geplant, das lag damals daran, dass Frau Waltraud Ess nach 23:00 Uhr noch, als schon sich der Stammtisch auflösen wollte, nochmals eine Flasche Wein gespendet hatte. Sie wohnte ja in der Schweinfurter Straße, direkt neben dem Autohaus Kuhn und hatte dort in der näheren Umgebung keine weiteren Nachbarn. Das störte angeblich Frau Ess nicht, da sie als eine nicht ängstliche Person von ihren Freundinnen beschrieben wurde. Aber aufgrund ihrer Gemütlichkeit plante sie eben den Bau eines Wohnhauses in der Innenstadt am Zwinger.

Frau Ess plante dies damals als Zweitwohnung. Die dortige Lage war gemütlicher als direkt am Firmengelände in der westlichen Außenstadt so die Begründung für die Zweitwohnung. Darin einziehen konnte Frau Ess nie! Der oder die Täter schienen sie direkt bei der Ankunft in ihrer Wohnung in der westlichen Außenstadt überfallen und getötet zu haben. Die Brutalität durch das Ersticken mit Klebeband über Mund und Nase und das Anbinden mit einem Elektrokabel an der Türklinke ist erschreckend.

Eine sehr beliebte, lebensbejahende, lockere und fröhliche Dame musste mit 51 Jahren sterben. Ihre Freundinnen aber auch die ganze Stadt und auch der Umkreis stand damals unter Schock! Warum musste Frau Ess sterben? Wem hatte sie was getan? War es wirklich irgendein abgewiesener Verehrer? Hatte Frau Ess in ihrer Funktion als Geschäftsführerin des Autohauses Kuhn ungewollte Kontakte zur organisierten Kriminalität?

Frau Ess als eine resolute, nicht ängstliche Geschäftsfrau aus Bad Neustadt liebte die Gemütlichkeit. Daher auch ihre Treffen mit ihren Freundinnen in der Weinstube Dörr in der Innenstadt von Bad Neustadt. Sie hatte, als sie auf den oder die Täter traf keine Chance. Da sie durch den Konsum von Wein ziemlich als angetrunken beschrieben wurde, war sie demnach ihren Tätern völlig ausgeliefert. Es ist nur sehr schwer bis unmöglich dann zu beschreiben, was genau geschah und wie der Todeskampf von Frau Ess verlief und wie lange sie diesen Todeskampf erleben musste. Ab dem Moment, wo die Täter sie zu Hause überfielen, schien Frau Ess bereits klar gewesen zu sein aus dieser Notlage komme sie ohne Hilfe nicht mehr alleine heraus.

Spätestens als ihr das Tape über Mund und Nase geklebt wurde, muss ihr klar gewesen sein auch unter Alkoholeinfluss, heute werden sie definitiv sterben. Dieser Todeskampf muss sehr qualvoll gewesen sein, ein Erstickungstod ist so ziemlich das Schlimmste, was ein Mensch erleben muss, wenn er stirbt. Als Außenstehender ist es nicht einfach darüber zu berichten, ohne eigene Emotionen dazu zu bekommen, wenn man liest, mit welcher Brutalität hier ein Mensch ums Leben gekommen ist. Frau Ess ist auf dem Stadtfriedhof in Bad Neustadt beerdigt und viele Menschen werden dort in den letzten 30 Jahren ihr nochmals in stiller Trauer und Betroffenheit begegnet sein und Abschied genommen haben.

Jetzt nach über 30 Jahren stehen wie gesagt die Ermittler dazu immer noch mit vielen offenen Fragen da und es bleibt ein „Cold Case“. War es nach den bisher bekannten Spuren wirklich organisierte Kriminalität? Ging es wirklich hierbei um Schutzgelderpressung? Was auch nahe liegt ist natürlich, dass eine so genannte Autoschieberbande aus Osteuropa hier ihre Finger im Spiel gehabt haben kann, da sie ja als Geschäftsführerin des Autohauses Kuhn mit Autos gehandelt hatte.

Es spricht aber auch einiges dagegen: woher soll eine Autoschieberbande gewusst haben, dass Frau Waltraud Ess genau an diesem Abend aus ihrem Griechenland Urlaub zurückgekommen sein soll? Auch das Frau Ess an diesem Abend später als geplant nach Hause kam, nämlich erst nach Mitternacht, da sie ja wie bereits geschrieben nochmals nach 23:00 Uhr eine Weinflasche in ihrem Stammlokal der Weinstube Dörr in der Innenstadt von Bad Neustadt ihren Freundinnen gesponsert hatte.

Für die Theorie eines Einbruches steht dagegen, dass Einbrecher, die eine Wohnung ausspähen ja gezielt wissen, wann jemand nach Hause kommt. Und diese Verzögerung, dass sie erst später nach Hause kam und dann dennoch die Einbrecher noch in ihrer Wohnung auf sie warteten, um nur Wertgegenstände zu entwenden ist eher unglaubwürdig. Also bleibt noch die Theorie eines abgewiesen Verehrer, der sich irgendwie Zugang zu ihrer Wohnung verschafft hatte und gezielt dort auf sie wartete. Das Klebeband, dass ja am ganzen Körper zum Fesseln verwendet wurde, auch über Mund und Nase legt zudem nahe, dass der Täter ein emotionalen Motiv gehabt haben kann.

Es gab circa fünf Jahre später einen ähnlich gelagerten Fall, wo auch ein Mensch mit Klebeband gestorben ist. Hier wurde ein Täter ermittelt und inhaftiert. Die Kriminalpolizei in Schweinfurt hoffte danach auf eine heiße Spur, die auch zur Aufklärung des Falls in Bad Neustadt führen würde. Aber auch diese Spur verlief leider ins Leere. Unter den Freundinnen bleibt dieser Todesfall ein großes Rätsel, auch mit der Tatsache, dass Frau Ess kräftig gebaut war und demnach sich auch wehren konnte und so irgendwo auch DNA-Spuren vom Täter gehabt haben müsste.

Der leitende Oberstaatsanwalt Rainer Vogt konnte leider diese Vermutung nicht bestätigen. DNA-Spuren nach so langer Zeit können nicht mehr verwertet werden. Was bleibt sei nur die Hoffnung, dass sich in der Kriminaltechnik nochmals bedeutende neue Möglichkeiten ergeben würden, sowie das mit der DNA Analyse gewesen war, die Hoffnung bleibt, dass dieser Fall vor seiner Pensionierung noch aufgeklärt werde, sagte er gegenüber der Presse.

Einer der sicherlich mysteriösesten und spektakulärsten Fälle in Deutschland, außer in der Fahndungsakte von SAT.1 damals wurde dieser Fall nicht in den Medien thematisiert, auch dort führte er zu keinem Ergebnis. Frau Ess hat damals drei Kinder hinterlassen, die mittlerweile nicht mehr in Bad Neustadt leben. Frau Ess wurde ja erst am Donnerstag frühs tot aufgefunden in ihrer Wohnung, ihr Stammtisch fand aber bereits am Dienstagabend statt und somit war die Tat in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bereits geschehen. Auch viele Jahre nach diesem Todesfall traf sich der Stammtisch noch in der Weinstube Dörr und die Hoffnung, den oder die Täter zu finden blieb.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.